Ratgeber · Rebekka Bartel – Tiergesundheit

Vitalpilze richtig anwenden

Alles, was du bei der Gabe von Vitalpilzen für dein Tier beachten solltest. Kurz erklärt und jederzeit zum Nachlesen.

Sofort absetzen und zum Tierarzt

bei wiederholtem Erbrechen, heftigem Durchfall, Schwellungen im Gesicht oder Atemproblemen.

Grundlagen Was Vitalpilze sind

Welche Tiere können Vitalpilze bekommen?

Grundsätzlich alle. Neben Hunden und Katzen können auch Pferde, Nagetiere und sogar Reptilien mit Vitalpilzen begleitet werden. Nach den Erfahrungen aus der Praxis werden sie gut vertragen.

HundeKatzenPferdeKaninchen & NagetiereReptilien

Die Dosierung musst du unbedingt erfragen. Sie unterscheidet sich je nach Tierart und Körpergewicht stark. Gerade bei sehr kleinen Tieren kommt es auf genaues Abmessen an.

Turnierpferde: Kläre vor dem Einsatz mit deinem Tierarzt, ob das Produkt mit den Doping- und Medikationsregeln deines Verbandes vereinbar ist.

Ausgleichende Wirkung

Vitalpilze gelten als ausgleichend. Sie treiben den Körper nicht an, sondern unterstützen ihn dabei, wieder ins Gleichgewicht zu finden. Sie können anregen, wo etwas zu schwach ist, und beruhigen, wo etwas überschießt. Das hängt davon ab, was der Körper gerade braucht.

Ergänzung, kein Heilmittel

Vitalpilze sind Ergänzungsfuttermittel und keine Arzneimittel. Sie können den Körper unterstützen, eine bestimmte Wirkung kann aber nicht garantiert werden. Sie ersetzen keine tierärztliche Untersuchung und Behandlung.

Pilzpulver oder Extrakt?

Pilzpulver und Extraktpulver sind nicht dasselbe. Welches passt, hängt davon ab, wofür du es einsetzt.

Pilzpulver

  • der ganze Pilz, getrocknet und fein gemahlen
  • reich an sekundären Pflanzenstoffen
  • weniger Wirkstoffe wie Polysaccharide und Terpene
  • günstiger

Extraktpulver

  • die Wirkstoffe werden aus dem Pilz herausgelöst und konzentriert
  • hoher Gehalt an Polysacchariden
  • wichtig im therapeutischen Bereich
  • teurer, weil die Herstellung aufwändiger ist

Der höhere Preis eines Extrakts ergibt sich aus dem komplizierteren Herstellungsverfahren. Lass dich beraten, welche Form für dein Tier sinnvoll ist.

Verträglichkeit

Vitalpilze werden in der Regel gut vertragen. Trotzdem kann jedes Tier empfindlich reagieren, das lässt sich nie ganz ausschließen.

Anregung der Entgiftung

Vitalpilze können Leber, Darm, Nieren und Haut anregen. Gerade am Anfang kann das zu vorübergehenden Reaktionen führen:

weicher KotBlähungenJuckreizHautrötungenSchuppenstärkerer Fellwechselmehr DurstMüdigkeit

Stell deinem Tier in dieser Zeit immer ausreichend frisches Wasser hin.

Vorsicht Wann du nachfragen solltest

Vitalpilze und Medikamente

Vitalpilze und Medikamente schließen sich nicht aus. Oft können die Pilze eine medikamentöse Behandlung sinnvoll unterstützen. Kortison und Antibiotika zum Beispiel lassen sich mit zeitlichem Abstand sehr gut parallel geben.

mind. 2 Stunden AbstandBewährt hat sich, das Medikament morgens und die Pilze abends zu geben, oder umgekehrt.

RückspracheEinige Pilze können den Blutzucker oder den Blutdruck senken oder die Gerinnung beeinflussen. Bekommt dein Tier Insulin, blutdrucksenkende oder gerinnungshemmende Medikamente, sprich die Gabe bitte vorher mit deinem Tierarzt ab. Bei Diabetes sollte der Blutzucker anfangs häufiger kontrolliert werden.

Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken

RückspracheManche Medikamente sollen das Immunsystem bewusst und dauerhaft bremsen. Vitalpilze unterstützen dagegen die Abwehr. Beides zusammen kann sich gegenseitig stören.

Ciclosporin (z. B. Atopica)Oclacitinib (Apoquel)AzathioprinKortison in hoher Dauerdosis

Gib Vitalpilze in diesem Fall nur nach Rücksprache mit deinem Tierarzt.

Rund um eine Operation

48 Stunden vorher absetzenEinige Pilze, zum Beispiel Reishi oder Shiitake, fördern die Durchblutung und können die Blutgerinnung leicht beeinflussen. Setz die Pilze deshalb 48 Stunden vor einer geplanten Operation ab und sag deinem Tierarzt Bescheid.

24 Stunden danach wieder startenNach der Operation können Vitalpilze die Regeneration und die Wundheilung unterstützen. Du kannst sie deshalb schon 24 Stunden danach wieder geben. Halte wegen der Medikamente, die dein Tier nach der OP bekommt, aber bitte vorher Rücksprache.

Vitalpilze in der Krebsbegleitung

Fachkundiger RatVielen Vitalpilzen wird eine krebshemmende Wirkung nachgesagt. Trotzdem solltest du sie bei einer Krebserkrankung nicht leichtfertig geben. Entscheidend ist, um welche Krebsart es sich handelt. Ein falsch gewählter Pilz kann sogar kontraproduktiv sein.

Zwei Beispiele: Cordyceps wird klassischerweise bei hormonellen Störungen eingesetzt. Bei einem hormonabhängigen Mammatumor wäre er aber ungünstig. Der Polyporus regt den Lymphfluss an und sollte deshalb bei einem Lymphom nicht gegeben werden.

Hol dir bei einer Krebserkrankung deshalb unbedingt fachkundigen Rat. Läuft gleichzeitig eine Chemotherapie oder Bestrahlung, stimme die Pilzgabe bitte auch mit deinem Tierarzt ab.

Pilz- oder Schimmelpilzallergie

Hat dein Tier eine bekannte Allergie gegen Pilze oder Schimmelpilze, gib Vitalpilze bitte nur nach fachkundiger Rücksprache.

Trächtige und säugende Tiere, Jungtiere

Für diese Tiere gibt es kaum Erfahrungswerte. Gib Vitalpilze hier bitte nur nach fachkundiger Beratung.

Start & Dosierung So fängst du richtig an

Immer einschleichen

Beginne mit einer kleinen Menge und steigere sie über etwa eine Woche langsam bis zur empfohlenen Tagesmenge. So kann sich der Körper in Ruhe daran gewöhnen.

Die Zielmenge bekommst du von deiner Therapeutin oder aus der Produktempfehlung. Kleine Mengen darfst du ungefähr abmessen.

Empfindliche Tiere: ein Pilz nach dem anderen

Hat dein Tier eine Allergie, eine chronische Erkrankung oder einen empfindlichen Magen-Darm-Trakt, beginne nicht mit mehreren Pilzen gleichzeitig. Starte mit einem Pilz und nimm den nächsten erst dazu, wenn der erste gut vertragen wird. So erkennst du, wenn ein bestimmter Pilz nicht passt.

Was tun bei Nebenwirkungen?

Zeigen sich Nebenwirkungen, setz die Pilze nicht gleich ab. Verringere zuerst die Menge. Nach einer kurzen Gewöhnung kannst du wieder langsam bis zur Zielmenge steigern.

Verschwinden die Beschwerden nach 3 Tagen nicht, frag bitte eine fachkundige Person.

Ausnahme: Bei starken Reaktionen wie wiederholtem Erbrechen, heftigem Durchfall, Schwellungen im Gesicht oder Atemproblemen setzt du die Pilze sofort ab und gehst umgehend zum Tierarzt.

Geduld und regelmäßige Gabe

Vitalpilze wirken nicht über Nacht. Erste Veränderungen zeigen sich oft nach 4–6 Wochen, manchmal auch erst später. Gib die Pilze deshalb täglich und über einen längeren Zeitraum.

Wie lange gibt man Vitalpilze?

Vitalpilze können dauerhaft oder als Kur gegeben werden. Dass sich der Körper an die Wirkung gewöhnt und sie nachlässt, ist nicht zu erwarten und wird auch nicht beschrieben.

Akute Beschwerden

  • z. B. eine Hauterkrankung, die abheilt
  • z. B. Unterstützung der Wundheilung
  • nach der Genesung kannst du die Pilze wieder absetzen

Chronische Erkrankungen

  • z. B. Krebs, Arthrose, Diabetes, Schilddrüsenerkrankungen
  • in der Regel ist eine dauerhafte Gabe nötig
  • nach dem Absetzen kehren die Beschwerden häufig zurück

Im Alltag Füttern, kaufen, lagern

Abstand zu bindenden Mitteln

mind. 2 StundenDiese Mittel binden Stoffe im Darm und können dabei auch die Inhaltsstoffe der Pilze binden. Halte deshalb mindestens 2 Stunden Abstand zwischen beiden.

HeilerdeAktivkohleZeolith / BentonitKieselerdeMoor
Richtig füttern

Misch das Pulver am besten unter das Futter, gerne mit etwas Wasser angerührt. Die Tagesmenge kannst du auch auf mehrere Mahlzeiten verteilen.

Was, wenn mein Tier mäkelig ist?

Hunde und auch Katzen nehmen Vitalpilze in der Regel gut an. Bei Katzen spielt der Geschmack aber oft eine große Rolle. Neues wird manchmal nicht gern angenommen, und bittere Pilze werden auch mal verschmäht.

Frag um Rat, wie du dein Tier daran gewöhnen kannst. Manchmal braucht es einfach Geduld, manchmal das richtige „Lockmittel“ und manchmal die richtige Technik.

Manchmal stellt sich aber auch die Frage, ob man sein Tier wirklich unter allen Umständen damit „quälen“ sollte, oder ob es nicht einen anderen Weg gibt. Eine Begleitung soll weder die Beziehung zu deinem Tier noch sein Wohlbefinden belasten.

Auf Qualität achten

Verwende nur Produkte aus geprüfter Herkunft, die auf Schadstoffe und Schwermetalle getestet sind. Am besten geeignet ist reines Pulver oder Extrakt ohne Zusätze.

Zwei Siegel helfen dir bei der Auswahl:

Bio-ZertifizierungGMP-Siegel

GMP steht für „Good Manufacturing Practice“. Das Siegel zeigt, dass das Produkt nach festen, kontrollierten Qualitätsstandards hergestellt wird.

Produkte für Menschen sind oft in Kapseln abgefüllt und mit Vitamin C oder Füllstoffen gemischt. Die Dosierung ist außerdem auf Menschen ausgelegt. Lass dich deshalb beraten, welches Produkt und welche Menge für dein Tier passt.

Richtig lagern

Bewahre die Pilze trocken, dunkel, gut verschlossen und außerhalb der Reichweite deiner Tiere auf.

Diese Hinweise ersetzen keine individuelle Beratung und keine tierärztliche Behandlung. Bei Fragen zu deinem Tier melde dich gern bei mir.