Mein Weg in die Tiergesundheit hat nicht mit einer Ausbildung begonnen. Er begann mit einem Hund – und mit einer Zeit, über die ich lange kaum gesprochen habe.
Plötzlich auf drei Beinen
Gandhi war mein Rottweiler. Ein großer, stattlicher junger Kerl, der an diesem Tag ganz unbedarft herumschnüffelte. Und dann lief er plötzlich nur noch auf drei Beinen. Ich wusste nicht, was passiert war. Ich wusste nur eines: Er hatte Schmerzen.
Was ich damals noch nicht ahnte: Die Suche nach dem „Warum“ sollte über ein halbes Jahr dauern.
„Ich bin nicht der Experte. Aber …“
Wir waren bei Tierärzten, in Kliniken, bei Physiotherapeuten. Es gab Untersuchungen, Vermutungen und wieder neue Vermutungen. Aber keine Antwort, die sich richtig anfühlte.
Und ich stand dazwischen. Ich kannte meinen Hund, ich lebte jeden Tag mit ihm. Trotzdem hatte ich das Gefühl, selbst nichts beurteilen zu können. Ich musste mich auf das verlassen, was mir gesagt wurde – ich war ja nicht der Experte.
Gleichzeitig war da diese leise, aber hartnäckige Stimme in mir:
Ich weiß nicht, was es ist. Aber ich weiß: Das ist es nicht.
Also suchten wir weiter.
Ich erinnere mich noch sehr genau an diese Hilflosigkeit. An die Angst, eine falsche Entscheidung zu treffen. An das Gefühl, meinem Hund helfen zu wollen und nicht zu wissen, wie.
Nach über sechs Monaten fanden wir endlich eine Klinik, die die richtige Diagnose stellte: ein Kreuzbandriss. Eigentlich etwas ganz Typisches bei großen Hunden. Endlich konnte Gandhi behandelt werden.
Aber diese Monate hatten Spuren hinterlassen. Bei Gandhi körperlich – er entwickelte eine Arthrose und vertrug vieles nicht mehr gut. Und bei mir emotional. Noch lange danach zog sich in mir alles zusammen, sobald er auch nur ein bisschen unrund lief.
Mit Holly wollte ich es anders machen
Als später unsere Schäferhündin Holly zu uns kam, war für mich klar: Diesmal möchte ich nicht erst anfangen zu verstehen, wenn etwas passiert. Ich wollte selbst verstehen. Mitreden können. Erkennen, was mein Hund braucht. Und für mich war die Ernährung die Basis von allem. Ich war gerade frisch Mama geworden und stand ohnehin an einem Punkt, an dem ich mein berufliches Leben neu ausrichten wollte. Also begann ich 2021 meine Ausbildung zur Hundeernährungsberaterin. Damals dachte ich, ich lerne einfach etwas über Futter. Heute weiß ich: Damit habe ich den Grundstein für einen völlig neuen Lebensweg gelegt.
Aus einer Frage wurden viele
Aus „Wie ernähre ich meinen Hund richtig?“ wurden schnell sehr viel mehr Fragen.
Was, wenn ein Tier bereits krank ist? Ich merkte bald: Ernährung ist das Fundament – aber bei chronischen Erkrankungen allein oft nicht genug. Also lernte ich weiter. Über Ernährung bei Erkrankungen, über Darmgesundheit, über Schmerz.
Dann kamen die Vitalpilze – und mit ihnen eines meiner ersten großen Schlüsselerlebnisse. Ich war fasziniert davon, wie viel Kraft in der Natur steckt. Ab da war das Feuer entfacht. Ich wollte ich immer tiefer gehen und begann die Ausbildung zur Tierheilpraktikerin. In Präsenz, mit Untersuchungen und Arbeit direkt am Tier. Noch bevor ich 2024 meine Prüfung ablegte, war ich bereits mit meiner mobilen Praxis unterwegs.
Und irgendwann ging es nicht mehr nur um den Körper. Sondern auch um die Verbindung zwischen Mensch und Tier – und um das, was zwischen beiden spürbar ist, auch wenn es sich nicht immer messen lässt. Dieser Teil meiner Arbeit ist mir sehr wichtig geworden. Ihm widme ich hier bald einen eigenen Beitrag.
Keiner dieser Schritte entstand aus einem großen Plan. Jeder kam, weil mir an irgendeiner Stelle etwas gefehlt hat: eine Antwort, ein Zusammenhang, eine Möglichkeit und das Bedürfnis es wirklich zu verstehen.
Der Schritt in die Krebsbegleitung
Dann kam eine Anfrage, mit der ich nicht gerechnet hatte: Ich durfte bei „Krebs beim Hund“ als Beraterin mitwirken. Ein Gebiet, vor dem ich großen Respekt hatte. Ich habe trotzdem Ja gesagt – und bin für diese Chance bis heute sehr dankbar.
Seitdem ist die Begleitung von Tieren mit Krebs zum Schwerpunkt meiner Arbeit geworden. Bei Hunden, und genauso bei Katzen.
Was ich dabei gelernt habe
Dabei ist mir etwas Wesentliches aufgefallen: Oft ist es nicht die Krankheit allein, die Menschen so sehr belastet. Es sind die Ängste, die sie Tag und Nacht begleiten.
Was, wenn ich falsch entscheide? Was, wenn ich nicht alles tue? Was, wenn mein Tier leidet und ich es nicht merke? Wie weit soll ich gehen – und wann ist der richtige Zeitpunkt, aufzuhören?
Ich kenne diese Fragen. Nicht nur aus meiner Praxis. Sondern von Gandhi.
Viele Menschen suchen in dieser Zeit nicht nur nach Therapiemöglichkeiten. Sie suchen Halt und Orientierung. Und manchmal auch jemanden, der ihnen die Verantwortung abnimmt – weil die Angst so groß ist, am Ende schuld zu sein. Dazu möchte ich dir etwas sagen, das mir sehr am Herzen liegt:
Die Verantwortung für dein Tier trägst du. Aber es geht niemals um Schuld.
Niemand ist schuld daran, dass sein Tier krank geworden ist. Und niemand ist schuld daran, wie sich ein Weg danach entwickelt. Du wirst Entscheidungen treffen müssen. Dafür brauchst du Menschen, denen du vertrauen kannst – und vor allem darfst du wieder lernen, dir selbst zu vertrauen.
Warum ich begleite – und nicht nur einen Plan schreibe
Genau deshalb arbeite ich so, wie ich arbeite.
Ein guter Therapieplan ist wichtig. Aber er beantwortet nicht die Fragen, die nachts um drei auftauchen. Er sagt dir nicht, ob die Veränderung, die du heute beobachtet hast, wichtig ist. Und er hält dich nicht, wenn eine Entscheidung ansteht, die sich unmöglich anfühlt.
Wenn du mit deinem Tier zu mir kommst, frage ich nicht zuerst: Welche Methode passt? Sondern: Was braucht DEIN Tier gerade? Und was brauchst DU, um es durch diese Zeit zu tragen?
Ich arbeite ergänzend zur tierärztlichen Behandlung, nicht stattdessen. Gemeinsam schauen wir, was gerade Priorität hat, wo der Körper Stabilität braucht und was dein Tier annehmen kann, ohne unnötig gestresst zu werden. Und ich helfe dir, Fragen zu stellen, Beobachtungen einzuordnen und Entscheidungen bewusster zu treffen.
Nicht mit dem Versprechen, dass dann alles gut wird. Diese Garantie gibt es nicht.
Aber mit mehr Halt, mehr Orientierung und mehr Vertrauen in deine eigene Wahrnehmung. Denn du kennst dein Tier wie niemand sonst.
Es gibt wundervolle Momente in dieser Arbeit – wenn es einem Tier wieder besser geht und der Weg weitergeht. Und es gibt Abschiede. Auch sie können etwas Besonderes sein: wenn ein Mensch trotz aller Trauer mit Dankbarkeit zurückblickt und spüren durfte, dass er nicht allein war.
Was Gandhi mir mitgegeben hat
Wenn ich heute an Gandhi denke, denke ich nicht nur an die lange Suche. Ich denke an das Gefühl, meinen Hund helfen zu wollen, zu spüren, dass etwas nicht stimmt – und niemanden an meiner Seite zu haben, der mich ernst nimmt und mir hilft, das einzuordnen.
Genau das möchte ich heute für andere sein.
Denn genau das hätte ich damals gebraucht.





